IBM 4700
Datenfernverarbeitungssystem für Banken

Ankündigung: 1981

Die Entwicklung des Systems IBM 4700 begann im Jahre 1979 mit folgenden generellen Zielsetzungen:

  1. Absolute Aufwärtsverträglichkeit zum System IBM 3600.
    Sämtliche am System IBM 3600 betriebenen Terminals mussten auch mit der Steuereinheit des Systems IBM 4700 ohne Änderung der Anwendungsprogramme ausführbar sein.
  2. Verwendung modernster Technologie zur Erhöhung der Leistung, der Funktionalität und zur weiteren Miniaturisierung des Systems und der angeschlossenen Geräte, sowie zur Verbesserung des Preis-/ Leistungsverhältnisses.
  3. Verträglichkeit mit den Datensichtgeräten IBM 3270 und Bereitstellung entsprechender Werkzeuge für die Entwicklung von Anwendungen.

Die Verträglichkeit zum System IBM 3600 verlangte eine Beibehaltung der Systemarchitektur bis in Einzelheiten, die auch auf die Entwicklung neuer Ein- und Ausgabegeräte Einfluss hatten.
So wurde das Datensichtgerät IBM 4704 mit Anschluss an die Ringleitung, aber auch an den Device Cluster Adapter (DCA) entwickelt.
Die Leistung des Prozessors und die Kapazität des Arbeitsspeichers sowie der Festplatte wurden erhöht. Die größere Leistung des Prozessors wurde auch dazu benutzt, die Anzahl der anschließbaren Endgeräte zu erhöhen.

In einzelnen Bereichen wurde bereits auf die Technologie des PCs zurückgegriffen, der sich zur selben Zeit in der Entwicklung befand.
Ein Beispiel dafür ist die Verwendung der 5¼ Zoll Diskette und später der Festplatte für die Steuereinheit 4702. Die daraus resultierenden Kostenvorteile konnten nicht immer verwirklicht werden, da z. B. die Betriebsstunden durch den 24-Stunden Betrieb weit über den geschätzten Betriebszeiten des PCs lagen.
Umfangreiche Testarbeiten und zusätzliche Entwicklungsarbeiten waren notwendig, um solche Bauteile den Anforderungen des Bankensystems anzupassen. Dagegen konnte die Technologie der PC-Tastatur ohne Schwierigkeiten übernommen werden. Ein weiteres Beispiel für den Einsatz moderner Technologie war die Verwendung von 4-Bit- und 8-Bit-Mikroprozessoren für die interne Steuerung der angeschlossenen Ein- und Ausgabegeräte. Das Datensichtgerät IBM 4704 wurde von einem 8-Bit-Prozessor Intel 8080 gesteuert, der Magnetstreifenleser IBM 4717 von einem 4-Bit-Prozessor Intel 8084.

Die Anschlussmöglichkeit von Datensichtgeräten der Familie IBM 3270 begann schon mit dem System IBM 3600, die Nutzung dieser Geräte war sowohl im 3600, wie auch im 3270 Modus möglich.
Der dazu notwendige Data Stream Mapping Support (DATSM) war jedoch auf einer niederen Ebene angesiedelt.

Mit dem Resource Manager IBM 4700 (RM/4700) bekam das System 4700 eine Möglichkeit, Bildschirmmasken auf höherer Ebene zu entwickeln, diese lokal in der Steuereinheit zu speichern und dadurch die zu übertragende Datenmenge zwischen dem zentralen und dem dezentralen System zu reduzieren.
Ebenso wurde die Steuerung der anderen Ein- und Ausgabegeräte, sowie der externen Speicher (Diskette, Festplatte) verbessert. Im Endeffekt wurde die IBM 4700 durch RM/4700 ein kleines DB/DC-System.

Aufbruch zu Client/Server-Systemen

Wie schon erwähnt, wurden das System 4700 und der PC etwa zur gleichen Zeit entwickelt und beide 1981 dem Markt vorgestellt.

Die IBM Entwicklung hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Kenntnis über die Wünsche der Kreditinstitute, den PC zusammen mit dem System IBM 4700 zu nutzen.

In einer ersten Phase ging es um die Emulation der Datensichtgeräte IBM 4704 und IBM 3278, sowie dem Einsatz von PC Anwendungen, mit der Möglichkeit zwischen beiden Modi mittels "HotKey" umschalten zu können.

Als Betriebssysteme für den PC kamen PC DOS und MS DOS zum Einsatz. Für den Kommunikationsanschluss bot sich das Koaxial-Kabel (Device Cluster Adapter - DCA) an, da die Kapazität des Bildschirms eine schnellere übertragung, als die der B-Loop verlangte. In geringerem Maße wurden aber auch B-Loop-Adapter eingesetzt.

Die Entwicklung des PC ging sehr rasch vonstatten und nach PC XT und PC AT entstand bereits die nächste Generation, das Personal System/2, kurz PS/2.
Der Wunsch der IBM-Kunden war ein leistungsfähiges Betriebssystem, dem IBM in Zusammenarbeit mit der Firma Microsoft entsprach. Die erste Version von OS/2 war ein 16-Bit-Betriebssystem, das viele Eigenschaften der Betriebssysteme von Großsystemen übernahm, eine objektorientierte Benutzeroberfläche hatte und über Multi-Tasking Fähigkeiten verfügte. Die damals zur Verfügung stehende Prozessorleistung, die Kapazität des Arbeitsspeichers und auch der zur Verfügung stehende Entwicklungszeitraum erlaubten einen Eintritt in eine neue Ära des Personal Computing, aber auch nicht mehr.

Die Firma Intel brachte bereits nach kurzer Zeit einen 32-Bit-Prozessor auf den Markt (80386) und das Betriebssystem OS/2 Version 2.0 stellte die Unterstützung dafür bereit.
Mit Version 2.1 wurden die Funktionen weiter ausgebaut und die Stabilität des Systems so weit erhöht, dass der Einsatz auch auf relativ kritische Anwendungen ausgedehnt werden konnte.
Die Weiterentwicklung führte bis zu OS/2 Warp 4. Mit dem PS/2 begann die Venetzung des PCs über den Token Ring.
Die Steuereinheiten IBM 4701 und 4702 wurden mit einem Token Ring Adapter ausgestattet, um hier bereits eine neue Netzwerk-Topologie zu ermöglichen.
Die Arbeitsstationen IBM PS/2 wurden mit "mächtigeren Anwendungen ausgestattet, die mit den 4700-Anwendungen weiterhin koexistieren mussten.

Zwei gegensätzliche Trends entwickelten sich:

  1. Schnelle Abwendung vom System IBM 4700 und baldmöglichste Hinwendung zu einem Client/Server-System unter Verwendung von PCs als Arbeitsstationen. Die Technologie eines zukünftigen Servers war umstritten: Sollte es auch ein PC sein oder ein UnixServer?
  2. Längstmöglicher Investitionsschutz für die Steuereinheit IBM 4702 mit deren Anwendungen und angeschlossenen Einheiten.

Für beide Trends gab es einige Gründe:

Trend 1: schnelle Abwendung von der IBM 4700, wurde überall dort gewünscht, wo große Investitionen in die Terminallandschaft notwendig waren und neue mächtige Anwendungen entstanden.
Es bestand die überzeugung, dass diese Investitionen auf Basis der PC-Technologie ein besseres Preis/Leistungsverhältnis ermöglichen und zukunftssicher sind. Es waren die "Early Adaptors" der vernetzten PCs.

Trend 2: längstmöglicher Investitionsschutz des Systems IBM 4700, entstand aus dem Wunsch, die bestehenden Anwendungen und Werkzeuge so lange als möglich zu erhalten und die Zuverlässigkeit des ausgereiften Systems IBM 4700 zu nutzen.
Vom späteren Einstieg in die neue Technologie versprach man sich auch eine ausgereifte Technik.

Aus Sicht der IBM mussten beide Trends unterstützt werden.
So wurden Drucker, Magnetstreifenleser und -Codierer, sowie das PIN Pad mit entsprechenden PC-Anschlüssen versehen.

Der Dokumentendrucker IBM 4722 konnte an die B-Loop wie auch den Parallelanschluss des PCs angeschlossen werden.
Diesem Drucker folgte dann der IBM 4772 Universal Printer (Nordamerika und Australien). Heute steht der Drucker IBM 9068 als Nachfolger zum IBM 4722 und 4772 zur Verfügung, der in Japan entwickelt wurde und in China gefertigt wird.
Weiterhin wurde der Transaction Printer IBM 4770, der Magnetstreifenleser und -Codierer 4777 und das PIN Pad IBM 4778 zum Anschluss an die serielle Schnittstelle oder den Mausanschluss des PS/2 bereitgestellt.

Die erste Client/Server-Lösung mit PCs entstand bei der spanischen Bank La Caixa in Zusammenarbeit mit der IBM Spanien. Auf Basis des Betriebssystems DOS wurde eine Client/Server-Plattform Financial Branch System Services (FBSS) geschaffen.
Diese stellte Basisfunktionen wie die Host-Kommunikation oder eine Datenbank zur Verfügung und als Herzstück ein Server Requestor Programming Interface (SRPI).

Über diese Schnittstelle war es möglich z.B. einen Service, wie Kommunikation, Druck oder Datei lesen oder schreiben in einem anderen PC anzustoßen und eine Rückmeldung über die Durchführung des gewünschten Service zu erhalten.
Die Datenbank war in der Konzeption hierarchisch und dem IBM DL/1 nachempfunden.
Die Einheitentreiber für Drucker, Magnetstreifentechnik und PIN Pad kamen aus dem Entwicklungslabor Charlotte, North Carolina, U.S.A.

Ein Zusatz zu FBSS war der Financial Branch Services Intergrator (FBSI), eine Verträglichkeitseinrichtung mit dem System 4700. Durch FBSS wurde es möglich, neue Anwendungen auf Client/Server Basis zu entwickeln und über FBSI auch 4700 Anwendungen zu nutzen.

FBSS ermöglichte den Aufbau über mehrere PCs verteilter Anwendungen, die über das SRPI verbunden wurden.
Dieses Konzept war so attraktiv, dass man den Namen änderte und das Produkt LAN Distributed Processing (LANDP) nannte. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde dieses ursprünglich in einem Kundenprojekt entstandene Produkt in das IBM Entwicklungslabor Hursley in Großbritannien überführt und auch für das Betriebssystem OS/2 frei gegeben.

Man wollte damit die Migration von DOS auf OS/2 erleichtern und auch für OS/2 eine Anwendungsplattform bieten. OS/2 bot aber immer mehr Funktionen als Teil des Betriebssystems oder als zusätzliches Standardprodukt an.
Beispiele dafür sind der Communication Manager, LAN Server und auch die DB2 Datenbank.
Dennoch wurde LANDP bis 2004 weiter entwickelt und erst dann aus dem Vertrieb zurückgezogen.

4700 System Overview

 Steuereinheiten

 Dialogstationen

 Drucker

 Belegleser

 Selbstbedienungsgeräte

 


Ankündigung 1981
Vorgängersystem IBM 3600

W.F.