IBM PC

Modell 5150

Ankündigung 1981

IBM 5150

Der Computer hält Einzug in die Wohnung

Am 12. August 1981 wurde der erste IBM Personal Computer der internationalen Presse in New York vorgestellt.

Personal Computer anderer Hersteller - in unterschiedlichster Ausführung und mit beschränkter Leistungsfähigkeit, gab es schon längere Zeit auf dem Markt, z.B. seit 1977 die PC’s : Apple II , Commodore PET und Tandy TRS – 80.

Jedoch erst mit dem Einstieg von IBM, dem weltweit größten und technologisch führenden Hersteller von Großcomputern in den Bereich der kleinen und für „fast“ Jedermann erschwinglichen Personal Computer, begann eine Entwicklung von ungeahnten und unvorhersehbaren Ausmaßen!

Nun gab es plötzlich einen PC wie aus einem Guß – von einem weltweit bekannten Hersteller - optisch ansprechend - technisch und qualitativ erstklassig – ein Standard , an dem sich interessierte Wettbewerber orientieren konnten.

Die technischen Merkmale des ersten IBM PC waren - aus heutiger Sicht – eher bescheiden:

Prozessor Intel Typ 8088 – Taktfrequenz 4.7 MHz
Betriebssystem Microsoft MS DOS 1.0
BIOS IBM BIOS = Basic Input / Output System
Hauptspeicher 16 KB – erweiterbar auf max. 256 KB
ROM 40 KB ( Read only Memory)
Basic Interpreter 16 KB ( MS Basic – Programmiersprache)
Diskettenlaufwerke 1 – 2 ( für 5¼ Zoll Disketten – je 160 KB
Bildschirm 11½ Zoll Monochrome 25 Zeilen zu je 80 Z
Tastatur 83 Tasten – inklusive 10 Funktionstasten
Anschlüsse Parallele und Serielle Schnittstelle
Anschluss für Magnetband Kassetten
Steckplätze 5 – für weitere Adapterkarten

Zusammen mit dem IBM PC wurde ein grafikfähiger Nadeldrucker für Endlospapier mit 12 verschiedenen Schriftarten und 40, 66, 80 oder 132 Zeichen pro Zeile vorgestellt.

Als Software für den IBM PC wurde - unter anderem - folgendes angeboten :

VisiCalc Ein Rechenprogramm (PersonalSoftware,Inc.)
Easy Writer Ein Schreibprogramm (Inform. Unlimited Software,Inc.)
Adventure Ein Spielprogramm ( Microsoft)

Der Kaufpreis für einen IBM PC mit Tastatur, Monitor, 64 KB Hauptspeicher und einem Diskettenlaufwerk betrug 1981 $3005.-

Kaum hatte die IBM im Oktober mit der Auslieferung begonnen, befand sie sich schon auf der Siegerstrasse.
Der IBM PC sollte innerhalb weniger Monate die Szene völlig verändern – am Ende des ersten Jahres war in den USA bereits ein Marktanteil von 4 Prozent erobert.

Allein die IBM verkaufte in weniger als einem Jahr mehr als 250.000 PC’s , eine Menge , von der man glaubte , sie in 5 Jahren verkaufen zu können!

Am 18.Januar 1983 wird der IBM PC weltweit angekündigt.

Bis dahin kleine Firmen wie „Intel“ oder „Microsoft“ entwickelten sich mit und durch den IBM PC – und den bald auf dem Markt erscheinenden sogenannten „IBM–kompatiblen“ PC’s - in wenigen Jahren zu Weltkonzernen.

Rund um den PC entstand eine Milliarden - Dollar - Industrie und heute ist der PC - und mit ihm das Internet – fest integrierter Bestandteil des täglichen Lebens von Millionen von Menschen. 

Die “Vorgeschichte ”

Natürlich war die IBM - Führungsebene bestens informiert über die stürmische Entwicklung des Microcomputer – Marktes gegen Ende der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Immer wieder wurden die IBM Außendienst - Mitarbeiter von ihren Kunden gefragt, wann denn die IBM endlich auch ein solches Gerät anbieten würde. Innerhalb der IBM waren die Meinungen sehr zwiespältig. Man hatte es bisher so gut wie immer mit Großkunden zu tun, die oft von vielen IBM-Mitarbeitern – vom Vertriebsbeauftragten bis zum Servicetechniker - gleichzeitig betreut wurden.

In allen größeren Städten gab es IBM Geschäftsstellen, deren Mitarbeiter fast rund um die Uhr für die Wünsche und Forderungen der Kunden einsatzbereit waren.
Die Preise für IBM Computer lagen nicht im 3-stelligen, sondern eher im 5- bis 6- stelligen Bereich. Warum also sollte sich die IBM mit kleinen, billigen Geräten befassen, die im Vertrieb und der Kundenbetreuung einen unverhältnismäßig großen Aufwand erfordern.
Es gab keine entsprechende Vertriebsorganisation – es gab keinerlei Händlernetz auf das man sich stützen konnte, alles müsste neu aufgebaut werden.

Die Meinung vieler gestandener IBM Manager, die ihr bisheriges, meist erfolgreiches Berufsleben mit Großsystemen zugebracht hatten, war daher eher gegen dieses „Spielzeug“ gerichtet.
Warum sollte man als Firma, die es mit den größten und berühmtesten Kunden der Welt zu tun hatte, nun plötzlich in einen anonymen Massenmarkt einsteigen.

Trotz aller Bedenken - und sehr spät – aber nicht zu spät, wie sich später herausstellen sollte - entschied sich die IBM dann doch, sich an diesem aufstrebenden Markt einen Anteil zu sichern.

Nun jedoch war guter Rat teuer.

Aus langjähriger Erfahrung wusste man, dass die Entwicklung eines neuen Produkts von der Idee bis zur Serienreife, je nach Größe und Komplexität, 3 bis 5 Jahre dauert. Soviel Zeit hatte man aber nicht, wollte man noch eine Chance haben.

Man musste also die alte Weisheit :
„Ungewöhnliche Umstände erfordern ungewöhnliche Maßnahmen“
in die Tat umsetzen.

Am 1.Juli 1980 nahm P.D. Estridge, ein erfahrener IBM Manager, in Boca Raton in Florida mit einem kleinen Team ausgesuchter Mitarbeiter seine Arbeit auf.

Man hatte innerhalb der IBM eine „neue Firma“, eine sogenannte >> Independent Business Unit (IBU) <<, gegründet. Das Geld kam von der IBM, die Verantwortung lag bei P.D. Estridge.
Diese IBU, losgelöst von den üblichen Geschäftsstrategien der IBM, bestand zu Anfang aus einem Team von 14 Mitarbeitern und sollte unter dem Codenamen >>Acorn<< (auf deutsch „Eichel“), einen neuen Kleincomputer konstruieren und bauen.
Die IBU hatte die Erlaubnis, wie eine neugegründete Firma zu arbeiten und ihre eigenen Konstruktions - Herstellungs- und Vertriebsstrategien zu entwickeln.
Schließlich hatte man nicht viel Zeit und außerdem musste man ja mit flexiblen Klein- und Kleinstfirmen konkurrieren.
Noch ahnte man nicht, dass aus dieser wohl einzigen „Wagnisfirma“ der IBM binnen kurzer Zeit ein eigener Geschäftbereich entstehen würde.
Keine 3 Jahre nach Beginn der Arbeiten, am 1. März 1983, entstand die später berühmte >> Entry Systems Division (ESD) <<, zu deren Präsident P.D. Estridge ernannt wurde.
Damit hatte er dann die Verantwortung über 2500 Mitarbeiter!

Dass seine ESD dann alle 16 Sekunden einen neuen PC ausspucken würde, hat er sich mit Sicherheit nicht vorstellen können, als er sich am 1.Juli 1980 mit seinen neuen Mitarbeitern traf.

Bereits nach 4 Monaten war ein Prototyp fertig.
Das erste Ziel war erreicht.

Es war gewissermaßen ein Glücksfall, dass schon im Februar 1978 mit der Planung und Konstruktion eines anderen kleinen Rechners, dem dem IBM System /23 Datamaster begonnen worden war.

Dieses System war gedacht für kleinere Firmen mit Anwendungen für Text – und Datenverarbeitung. Es hatte einen Intel 8085 Prozessor und 64 KB Hauptspeicher, 2 Stück 8 Zoll Diskettenlaufwerke und einen 12 Zoll Monitor. Einschließlich der Tastatur war alles komplett in einem Gehäuse zusammengebaut.

Der 8-Bit Prozessor 8085 war eng verwandt mit dem Intel 8088 8/16–Bit Prozessor und hatte die gleiche Befehlsstruktur.
Viele der Erfahrungen, die bei der Entwicklung des Systems /23 Datamaster gemacht wurden, kamen nun der schnellen Entwicklung des PC zugute.
Einzelne Konstruktionselemente konnten fast unverändert für den PC übernommen werden.
Das System /23 Datamaster war von der Gesamtkonzeption allerdings nie als PC gedacht und wurde deshalb auch unabhängig vom PC fertiggestellt und einen Monat früher als dieser, d.h. im Juli 1981 angekündigt.

Was den PC betrifft, so war dieses Gerät revolutionär – nicht so sehr für den Markt der Microcomputer, aber für die IBM selbst.

Die benötigten Komponenten wurden auf dem freien Markt beschafft und zu einem Ganzen kombiniert , ohne dass ein IBM-Labor oder irgendeine IBM-Fabrik groß mitgewirkt hätte.
Auch das Herzstück des Computers, der Prozessor, war keine firmeneigene Schöpfung, den bezog die IBM von der Firma Intel.
So wie der IBM PC Prototyp entstanden war, so lief auch später die Produktion, nämlich mit Hilfe externer Zulieferer.
Einzig das BIOS, das sogenannte Basic Input Output System, wurde von der IBM selbst entwickelt und wurde auch nicht veröffentlicht.
Eine große Überraschung gelang der IBM jedoch dadurch, dass sie den PC als „Offenes System“ vorstellte.
Die Strategen um P. Don Estridge hatten richtig erkannt, dass sie mit der Einführung eines 8-Bit / 16-Bit Rechners einen Generationswechsel vornehmen und den Markt von Grund auf neu definieren.
Der eingesetzte Intel Prozessor 8088 war eine preiswerte Version des Intel 8086 Prozessors. Der große Vorteil des 8088 Prozessor war der, dass er extern mit einem 8-Bit Datenbus arbeitet - wie fast alle zu dieser Zeit eingesetzten Prozessoren und man damit auch bewährte, auf dem Markt verfügbare Elemente einsetzen konnte.
Intern jedoch arbeitet der Prozessor mit 16-Bit, was völlig neue Möglichkeiten der Speicheradressierung, usw. eröffnete.
Indem nun IBM die technischen Spezifikationen veröffentlichte und somit zeigte wie die Maschine gebaut war und wie sie arbeitete, gab sie anderen Firmen die Möglichkeit, sowohl Anwendungssoftware zu schreiben als auch Zubehörprodukte, wie z.B. andere Adapterkarten zu entwickeln.
Von dieser Situation profitierten natürlich beide Seiten.
Dies gab auch neuen Firmen die herausragende Möglichkeit, in den Markt einzusteigen und sich hier mit guten Produkten schnell zu etablieren. Natürlich war der Name IBM bei all diesen Vorhaben eine gute Werbung.

Zum Beispiel MS DOS und LOTUS eroberten eins, zwei, drei den Software-Markt.

Die Softwarebranche hatte sich auf DOS eingeschworen – ein neuer Standard war geboren. Er breitete sich mit Windeseile über alle Grenzen hinweg aus.

Obwohl 1982 in Europa noch nicht angekündigt, hatten sich Softwarehäuser den PC über clevere Zwischenhändler in den USA besorgt.
20.000.- Mark und mehr bezahlten sie auf dem „Schwarzmarkt“, um sich vorzeitig mit dem Rechner vertraut zu machen.

PC Betriebssystem DOS

Zum Betriebssystem des IBM PC, dem PC-DOS oder IBM DOS oder MS DOS, und später noch DR DOS ( Digital Research ) gibt es auch einige interessante Anmerkungen.

Die Mitarbeiter der IBM hatten 1980 noch keinerlei Erfahrung mit einem Betriebssystem für einen Microcomputer.
Auch stand die erforderliche Zeit für eine Eigenentwicklung nicht zur Verfügung.
Man war also auf Fremdprodukte angewiesen.
Ursprünglich wollte IBM das schon weit verbreitete und bereits bewährte Betriebssystem CP/M (Control Program for Microcomputers ) von Gary Kildall, dem späteren Mitbegründer der Firma Digital Research, für den IBM PC verwenden.
Aus nicht ganz geklärten Gründen kam jedoch kein Vertrag zwischen der IBM und Gary Kindal zustande.
Nun war die IBM auf Bill Gates mit seiner noch sehr kleinen Firma Microsoft angewiesen.

IBM schloss mit der Firma Microsoft einen Vertrag über die Lieferung eines Betriebssystems DOS [ Disk Operating System ] für den neuen Computer.

Bill Gates bzw. einem seiner Partner war bekannt, dass eine Firma SCP ein Betriebssystem mit dem Namen Q-DOS hatte, das ein Programmierer auf der Basis von CP/M geschrieben hatte.
Kurz nach Vertragsabschluss mit der IBM kaufte Microsoft die Rechte an Q-DOS – für einen Bruchteil der Summe, die mit IBM ausgehandelt war.
Im Vertrag mit IBM war unter Anderem vereinbart, dass die Firma Microsoft das neue DOS unter eigenem Namen vermarkten darf > MS DOS.

Mit dem Erfolg des IBM PC kam nun auch der Erfolg für Microsoft.

Nachdem es schon bald nach Erscheinen des IBM PC auf dem Markt einer amerikanischen Firma gelungen war , das IBM eigene BIOS „nachzuempfinden„ gab es kein Halten mehr!

Sogenannte IBM kompatible PC’s wurden nun von vielen Herstellern angeboten, von denen viele so schnell wieder vom Markt verschwanden, wie sie aufgetaucht waren.

Das Alles kam nun der Firma Microsoft zugute ( und natürlich auch anderen Zulieferern – wie z.B. der Firma Intel )

Binnen eines Jahres schloss Microsoft Verträge mit über 50 Herstellern von diesen IBM kompatiblen Rechnern , die alle ein Betriebssystem und einen BASIC-Interpreter brauchten.

An den Kopien von MS-DOS verdiente Microsoft in den folgenden Jahren Milliarden von US $.


 
 

R.K.