IBM 3600
Datenfernverarbeitungssystem

Ankündigung: 1969

IBM 3600 System

Das IBM System 3600 ist ein speziell für den Bankenbereich entwickeltes Fernverarbeitungssystem, das sowohl online als auch offline betrieben werden konnte.

Es ist das erste System, das ohne Bediener 24 Stunden pro Tag im Einsatz sein konnte.
Die Kontrolleinheit und die daran angeschlossenen Geräte arbeiteten als eigenständiges System. Durch diese dezentrale Intelligenz können im offline Betrieb eine Reihe von Geschäftsvorfällen praktisch wie im online Verfahren bearbeitet werden.

Die offline Umsätze werden auf einer Diskette gespeichert. Die Online-Verbindung wurde nach einer Störung ohne manuelle Eingriffe wieder hergestellt. Die Offline-Umsätze werden parallel zum Online Betrieb per Programm nachgebucht. Dies macht die Schalter Online Abwicklung unabhängiger von der Verfügbarkeit des Zentralsystems.

Die System Komponenten sind:

Das System IBM 3600 wurde von einer programmierbaren Steuereinheit IBM 3601 kontrolliert, die einen Arbeitsspeicher von 40 KBytes besaß für die benötigten Anwendungsprogramme und die Steuerung der einzelnen Komponenten. Der Hauptspeicher in der Kontrolleinheit betrug 24-46 Kb, das Programm und die Daten wurden auf Disketten ein- oder doppelseitig gespeichert.

Die IBM 3602 enthielt schon eine Festplatte mit 5,2 MB oder 9,3 MB Speicherplatz.
Die einzelnen Geräte wurden über lokale oder entfernte Ringleitungen, so genannte Loops angeschlossen.
Die maximale Entfernung einer lokalen Loop betrug 600 m bis 700 m.

Das IBM 3600 Anwendungsprogramm, auch APB genannt, wurde auf der Zentralen EDV generiert und auf die einzelnen Kontroller herunter geladen oder auf eine Diskette gespeichert, die dann in den Zweigstellen Kontroller eingespielt wurde. Das APB war eine speziell für das 3600 System entwickelte Programmsprache.

Das Anwendungsprogramm enthielt die Konfigurationsdaten, das Programm der Kontrolleinheit, das Anwendungsprogramm, permanente Daten zum Wiederanlauf nach einer Unterbrechung und vier temporäre Datenblöcke zur Datenspeicherung, für die Übertragungslogs und die Bedienerjournale.

DasIBM 3600 System verfügte über eine große Palette von Anschlußmöglichkeiten mit eigener Software, die den Dialog mit dem Zentralen System übernahm und ihn auf dessen Hardware und Software abstimmte. Anschließbar waren eine ganze Palette von Terminals, wie z.B.

Anschluss für entfernte Terminals IBM 3603

Die deutschen Banken und Sparkassen verfügten über sehr viele kleine Zweigstellen. Von etwa 45.000 Geschäftsstellen waren 30.000 mit 1 bis 3 Mitarbeitern besetzt. Ein wirtschaftlicher Einsatz einer eigenen Steuereinheit war in der ersten Hälfte der 70er-Jahre nicht möglich. Das Gerät IBM 3603 ermöglichte den Anschluss der Terminals an eine entfernte Steuereinheit IBM 3601 oder 3602.

Remote Terminal Attachment Unit (RTAU) IBM 5989

Die Deutsche Bundespost, heute Telekom, unterband nach einer Übergangsfrist den Betrieb von Ringleitung über Telefonleitungen aus Gründen der komplizierten Messtechnik und Fehleranalyse. Der RTAU-Anschluss diente der Punkt zu Punkt-Verbindung zwischen Terminals und Steuereinheit mittels einer SDLC-Verbindung. Über dieses Trägerprotokoll wurde eine Emulation der B-Loop vorgenommen, so dass die Terminals nicht ausgetauscht werden mussten. Der Mikrocode der Steuereinheit wurde ebenfalls modifiziert, um die bestehenden Anwendungsschnittstellen zu erhalten.

Steuereinheit IBM 5995

Der weitere Ausbau der kleinen Zweigstellen z. B. mit Geldausgabeautomaten oder SB-Druckern, aber auch der Einsatz von Bildschirmen mit einer größeren Zeichenkapazität, brachte die Emulation der B-Loop an seine Grenzen. Die Steuereinheit IBM 5995 wurde auf Basis der Steuereinheit IBM 3601 speziell für Deutschland entwickelt und unter Einsatz neuer Technologien minimiert, um auch kleine Zweigstellen mit einer eigenen Steuereinheit ausrüsten zu können.

System Konfiguration

3600 System Config

 


Ankündigung 1969
Nachfolgesystem IBM 4700

W.F.