IBM Selbstbedienungsgeräte für das 3600 SystemAnkündigung: 1974 |
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Geldausgabe Automaten (GAA)
Nach einer kundenspezifisch für Lloyd entwickelten "Cash Point" Installation und mit den dabei gesammelten Erfahrungen wurde 1974 als erstes weltweit eingesetztes Produkt die Automatische Kasseneinheit IBM 3614 auf den Markt gebracht.
IBM 3614 Geldausgabeautomat
Am Beispiel dieses Geräts sind die Grundfunktionen und Eigenschaften der GAA's beschrieben.
Geldausgabe-Automaten gab es meist in zwei Modell-Varianten, einem Modell für den Betrieb in Schalterräumen der Institute und einem zum Einbau in eine Schalterwand im Foyer oder in eine Gebäudeaußenwand. Das letztere hatte bei IBM 3614 als zusätzliche Sicherheitsausstattung eine motorgetriebene Schutztür für die Bedieneinrichtungen, wie Tastatur, Leuchtanzeige und Geldausgabe. Die Schutztür öffnete sich erst, wenn die Prüfung der Kundenkarte (ID Karte) erfolgreich war.
Grundfunktionen und Bedienung:
Der Kunde steckte seine Karte in die dafür vorgesehene Leseeinheit. Die Breite der Karte musste genau den Spezifikationen entsprechen, sonst machte der Leser erst gar nicht auf. Außerdem musste die Karte in richtiger Orientierung eingeführt werden, sonst kam sie zurück und auf dem zweizeiligen Bildschirm wurde eine Fehlermeldung angezeigt.
Nachdem die Daten des Magnetstreifens auf der Karte eingelesen waren, wurde die Gültigkeit der Karte überprüft. War die Karte gesperrt, weil sie entweder als verloren gemeldet war oder waren mehr als die zulässigen Falscheingaben der Geheimzahl erfolgt, so wurde die Karte einbehalten. War die Karte in Ordnung, so wurde die numerische Tastatur für die Eingabe der (vierstelligen) Geheimzahl freigegeben. Bei richtiger Geheimzahl wurde dann der weitere Geschäftsvorfall abgewickelt. Dazu wurde dem Kunden in Klarschrift über die Anzeige und über an der Tastatur eingelassene Leuchttasten klar und eindeutig mitgeteilt, was er zu tun hatte.
Der GAA hatte ein Fassungsvermögen von 2000 bis 3000 Noten, je nach Währung und nach dem Zustand der Banknoten (gebraucht oder neu).
Kunden-Identifikation mit Magnetkarte:
Zur Kunden Identifikation hatte sich bald die Magnetkarte allgemein eingebürgert. Sie trägt auf der Rückseite einen Magnetstreifen gemäß den ISO 2894 Spezifikationen:
- Spur 1 wird nicht benutzt
(sie war von den Luftverkehrsgesellschaften belegt, welche die Karte ursprünglich eingeführt hatten). - Spur 2 enthält nach ISO 3554 maximal 40 Zeichen mit einer Zeichendichte von 75 bpi (Bits pro inch).
In dieser "Lese" Spur werden Kundendaten (Kontonummer, Bankleitzahl, Landes-Code, Gültigkeitsdauer usw.) fest gespeichert. - Auf der wieder beschreibbaren Spur 3 können gemäß derselben ISO Norm maximal 107 Zeichen mit einer Dichte
von 210 bpi gespeichert werden.
Sie enthält eine Vielzahl veränderlicher Daten, wie z.B. Wiederholungszähler für Fehlversuche, Gültigkeitsdauer, MM-Merkmal (MM = Modulares Modul), usw. (vollständige Liste im Internet).
Im Lauf der Entwicklung wurde die Magnetkarte später zur Chip-Karte weiterentwickelt. Damit ergab sich die Möglichkeit, auf der Karte dezentral veränderbare Daten zu speichern.
Tastaturen:
Für die Abwicklung der verschiedenen vorgesehenen Geschäftsvorfälle standen den Banken verschiedene Tastaturausführungen zur Auswahl. Allen Tastaturen gemeinsam waren der numerische Block sowie die Tasten "Bestätigen" und "Eingabe abbrechen". Die Anzahl der vorhandenen Transaktionstasten (Abheben, Abfrage, Sonderfall) und die Tasten zur Auswahl der Kontoart (Giro-, Spar-, Kredit- und Sonderkonto) waren variabel. Über die Leuchtanzeige, die bis zu 42 alphanumerische Zeichen anzeigen konnte, erfolgte neben der Bedienerführung auch die Anzeige der eingegebenen Daten.
Einbindung in die Gesamt-Installation der Datenverarbeitung:
Die IBM 3614 z.B. war sowohl über lokale oder Fern-Ringleitungen an die programmierbare IBM 3601/3602 Steuereinheit als auch direkt über eine IBM 3704/3705 Steuereinheit an ein Zentralsystem anschließbar. Die Übertragungsgeschwindigkeiten lagen je nach gewähltem Anschluss zwischen 600 und 4800 Bit/s.
Jedes Kreditinstitut konnte eine Reihe von Betriebsregeln festlegen:
die Benutzungszeiten, die Anzahl der Banknoten pro Auszahlung, die Anzahl der maximalen Fehlversuche bei der Eingabe der Geheimzahl,
die Zeit zwischen zwei Eingaben, die Anweisungen an den Benutzer sowie die zulässigen Tastatureingaben.
Außerdem konnte IBM 3614 für ausgewählte Transaktionen auch unabhängig von dem Zentralsystem
und sogar ohne Verbindung (Offline) zur Kontrolleinheit arbeiten.
Eine spätere Verarbeitung der behandelten Geschäftsvorfälle erfolgte dann durch eine automatische Übertragung
der zwischengespeicherten Daten nach Wiederherstellung der Verbindung zum Zentralrechner.
Mit IBM 3614 war eine technische Basis geschaffen, welche in der weiteren Entwicklung der Selbstbedienung ausgebaut und verfeinert wurde.
Sicherheitsvorkehrungen:
Die Sicherung von Installationen und Daten wurde mit der Einführung der Selbstbedienung zu einer zentralen neuen Dimension in der Entwicklung der Informationstechnik für Banken und Sparkassen. Sie erstreckte sich einerseits auf den physischen Schutz der Einrichtungen und zum andern auf die Sicherung von Daten und Transaktionen. Beide Bereiche erfuhren in einer über 20 Jahre währenden Entwicklung fortschreitende Perfektion.
Die physische Sicherung der in den GAA's deponierten Banknoten wurde durch die Armierung des ganzen Gehäuses und dessen Schutztür erreicht. Außerdem wurde eine Sicherheitsfolie eingebaut, welche an eine Alarmanlage angeschlossen werden konnte, die schon bei den ersten Bohrversuchen am Gerät einen Alarm auslöste und weiterleitete. Der Auszahlungsmechanismus wurde so gestaltet, dass keine unzulässigen Entnahmemethoden (z.B. Fischen) möglich waren.
Vor unberechtigter Benutzung der Geldausgabeautomaten schützen die vom Institut ausgegebene Kundenkarte (ID Karte) und die dazu gehörige Geheimzahl, sowie eine sogenannte Sperrdatei mit den Nummern von gestohlenen oder verlorenen Karten, die mindestens pro Tag einmal in den GAA geladen wird und bei der Berechtigungsprüfung der Auszahlung gegengeprüft wird.
Generell werden bis heute Sicherung und Sicherheit der Daten, insbesondere der persönlichen Daten des Kunden dadurch erreicht, dass diese vor der Übertragung verschlüsselt werden. Allgemein wird die eingegebene Geheimnummer nicht angezeigt, sondern nur pro Stelle mit einem Sternzeichen (*) dargestellt, damit der Kunde sehen kann, ob er die richtige Anzahl von 4 Ziffern eingegeben hat.
Bei der Installation des Außenwand-Modells 2 der IBM 3614 kam es anfangs zu Verzögerungen, weil keine Versicherung die bis zu 300.000 DM, die maximal bereitgestellt werden konnten, in einem unbeaufsichtigten Gerät ohne einen Safe versichern wollte. Die Definition eines Safes sah nämlich vor, dass dessen Panzerung keinerlei Öffnungen haben durfte, außer für die gepanzerte Safetür mit Spezialverriegelungen. Öffnungen waren aber nötig für die Signalleitungen und den Geldausgabe-Mechanismus. Aber in langwierigen Verhandlungen konnte auch dieses Problem schließlich gelöst werden.
IBM 3624 Geldausgabeautomat
Fünf Jahre nach dem ersten weltweit angebotenen Geldautomaten brachte IBM 1979 ein Nachfolgemodell die IBM 3624 mit zusätzlichen Funktionen in modularer Bauweise auf den Markt, variabel für Autoschalter, Rollstuhlfahrer, freistehend im Schalterraum oder in eine Außenwand montierbar.
Als neue Funktionen kamen Einzahlung / Einlage, Scheckeinlösung und Kontoüberträge hinzu. Auf einem 60-zeiligen Plasmabildschirrn wurde der eingegebene Kundenwunsch in einer von vier von der Bank ausgewählten Sprachen bestätigt und dafür eine Bestätigungskarte gedruckt. Diese gab der Kunde zusammen mit dem Einzahlungsbetrag oder Scheck in einem angebotenen Umschlag in eine Einzugsvorrichtung ein. Der Umschlag wurde dann mit einer Nummer "indossiert" und später in der Zentrale von zwei Kassierern (Vier Augen Prinzip), geöffnet, die Transaktion überprüft und bei Korrektheit akzeptiert.
Weitere neu eingerichtete Funktionen waren Kontostands-Abfrage, Anfordern von Schecks und Überweisungsvordrucken und das Ausdrucken von Kontoauszügen. Diese Funktionen konnten auch zusammenhängend ausgeführt werden.
Eine neue Tastatur bestand aus einem numerischen Block und 16 auch zweisprachig möglichen Funktions- und Ergänzungstasten, die vom Institut nach Bedarf auch abgedeckt werden konnten.
Erhöhte physische Sicherheit wurde durch Armierungen im Frontbereich und durch einen Spezialsafe (nach RAL 626 RG3) mit zweifachem Tresorschloss erreicht.
Der Safe schützte das Geldausgabemodul, die Elektronik und eine eventuell vorhandene Einlagevorrichtung.
Die neuen Kassetten besaßen einen "Vereinzelungsmechanismus", einen Sensorkontakt für "Geldmenge gering",
waren abschließbar, unverwechselbar codiert und damit fertig zum Einsetzen.
Die Daten wurde elektronisch dadurch gesichert, dass sie zur Übertragung mit dem Data Encryption Standard (DES) Algorithmus in einem sicherem Bereich des
Mikrocode verschlüsselt wurden.
Die Instituts- oder Poolschlüssel wurden zusätzlich mit einem Transportschlüssel gesichert übertragen.
Zur Entschlüsselung im GAA musste der Transportschlüssel je zur Hälfte von zwei verschiedenen Bankangestellten eingegeben werden
und verblieb wie die beiden anderen Schlüssel in einem besonders gesicherten Bereich der Elektronik.
Bei einem unbefugt versuchten Zugriff wurde der Schlüssel automatisch gelöscht.
Der Anschluss an die Kontrolleinheiten der IBM 3600/4700 Systeme erfolgte über Ringleitungen (LOOPs) mit 600 bis 2400 Baud oder direkt an ein Zentralsystem über Steuereinheiten IBM 3704 im SDLC Modus mit 1200 - 2400 bit/sec nach CCITT V24.
IBM 3621 Kontoauszugsdrucker
Als erster Drucker im Selbstbedienungsmodus wurde 1981 der Kontoauszugsdrucker IBM 3621 in Deutschland angeboten.
An ihm sollen die wesentlichen Funktionen der Selbstbedienungsdrucker beschrieben werden.
Dieser Drucker bot bereits die Möglichkeit, die verschiedensten Formulare zu drucken.
Dabei konnte sowohl in vorgefertigte Formulare gedruckt als auch das Formular-Layout mit gedruckt werden,
was allerdings etwas zeitaufwendiger war.
Formularvordrucke bzw. Blanko-Papier lagen als gefaltete Stapel innerhalb des abschließbaren Gehäuses.
Nach dem Bedrucken wurden sie auf Formulargröße geschnitten.
Mit Hilfe einer schwarzen Markierung am linken Rand wurde eine exakte Positionierung ermöglicht.
Ging der Papiervorrat zu Ende, so wurde dies von einem Sensor an das Steuerprogramm mitgeteilt, welches eine Anzeige über Leuchtdioden
an den Bediener weitergab.
Der Drucker wurde in 3 Versionen angeboten:
- IBM 3621 BO1 (Grundmodell ohne Magnetstreifen und Tastatur).
Er war konzipiert als Arbeitsplatzdrucker für den Bankangestellten, um Verträge oder Dokumente zu drucken. - IBM 3621 B02 war mit einem manuellen Durchzugleser für den Magnetstreifen der Kunden-Identifikationskarte ausgerüstet.
Eine weitere Sicherung erfolgte über die Geheimzahl-Tastatur. Zur Bedienerführung dienten außerdem vom Institut programmierbare Anzeige-Lampen. - IBM 3621 B03 verfügte über einen automatischen Karteneinzug in den Magnetstreifenleser und als zusätzliche Sicherungsvorkehrung öffnete dieser erst, wenn die richtige Kartenbreite und Orientierung des Magnetstreifens erkannt war.
Der Druckmechanismus war ein Nadeldrucker, der die Zeichen in einer 7x8 Punkte-Matrix druckte. Man konnte neben 96 nationalen Zeichen noch weitere 16 frei definierbare Zeichen drucken. Die Druckgeschwindigkeit betrug 100 Zeichen/sec, wobei der Drucker in beiden Zeilenrichtungen druckte.
Video
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Der Nachfolgekontoauszugsdrucker war der Kontoauszugsdrucker IBM 4721 des IBM 4700 System
W.F.

